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Die schwarzen Schwäne
Als Wurrunna nach einem seiner Walkabouts zu seinem Stamm zurückkehrte, brachte er Waffen mit, die zuvor noch niemand gesehen hatte. "Diese Waffen wurden in einem Land gemacht, in dem nur Frauen leben," sagte er. "Und sie gaben sie mir im Tausch für meine Possumfelldecke. Und sie sagten: "Bringe uns mehr von Deinen Decken und wir geben Dir mehr Waffen."
Der Stamm war entzückt von den Waffen und sie waren sich einig darüber, bei einer seiner nächsten Expeditionen in das entfernte Land der Frauen, zum heiligen Berg Oobi Oobi, zu gehen um Felldecken für den zeremoniellen Handel einzutauschen.
Wurrunna warnte seine Begleiter, als sie losgingen, dass es unbekannte Gefahren gäbe auf den Ebenen und er war sich sicher, die Frauen wären Geister. Die Frauen hätten zu ihm gesagt, es gäbe keinen Tod in ihrem Land und die Sonne würde immer scheinen.
Er sagte:"Wenn die Nacht unser Land verlässt, kommt es nicht in ihr Land, wo Yhi, unsere Sonne, eine Frau ist und sich in ihrem Land ausruht. Die Nacht würde unter die Erde kriechen bis sie wieder hereinbricht. Wir sollen uns mit Rauch reinigen wenn wir die Dunkelheit verlassen und ihre Ebene betreten."
Wurrunna vereinbarte, dass er auf die andere Seite der Ebene gehen würde, um ein Feuer zu entfachen, mit dessen Rauch sie sich reinigen würden sobald sie zurückkommen. So sollte nichts Böses an ihnen haften bleiben. Und falls sie zu lang bleiben würden, hätte er einen Plan um sie zu warnen.
Er würde seine beiden Brüder mitnehmen. Er würde sie durch seine Magie, er ist schliesslich ein großer Wirinun, in zwei große Wasservögel verwandeln. Diese würde man schliesslich schnell entdecken können. So schnell wie möglich würde er das rauchende Feuer entfachen und seine beiden Brüder würden auf die andere Seite des Frauenlagers schwimmen. Die Frauen würden dann verwundert die anderen Männer vergessen, die sich holen würden was sie wollten.
Er sagte, jder solle ein Tier mitnehmen und laufen lassen, sobald die Frauen sich einmischten. Kein Tier lebt auf der Ebene und die Frauen würden erneut ihre Aufmerksamkeit verlieren. Dann sollten sich die Männer beeilen um in die Dunkelheit zu fliehen, in die die Frauen nicht folgen würden, weil sie sich fürchteten davor.
Jeder fand ein Tier und sie gingen los. Unter den Tieren waren Possums, einheimische Katzen, Flughörnchen, verschiedene Arten von Ratten und anderes Getier.
Als sie ankamen, legte sich die Dunkelheit gerade am Rande der Ebene nieder. Wurrunna und seine beiden Brüder eilten durch das Gebüsch, welches sich um die Ebene erstreckte und erreihten die entferntere Seite. Dann zündete Wurrunna das Feuer und holte aus seinem Innersten eine Kristalkugel, eine große Gubbera, hervor, schritt zwischen seine Brüder uns stimmte ein Singsang an. Bald darauf schrien sie:"Biboh! Bibioh" und wechselten ihre Gestalt in zwei große, weiße Vögel, die die Daens Baiamul nannten, die die Schwäne.
Die Männer auf der anderen Seite der Ebene, reinigten ihren Körper im Rauch der entfachten Feuer.
Die Frauen sahen den Rauch und rannten mit Speeren bewaffnet dort hin und schrien:"Wi-bulloo! Wi-bulloo!"
Eine von ihnen schrie erstaunt auf, eine andere sah sich um und sah die zwei weißen Vögel auf dem See schwimmen. Der Rauch war vergessen, sie rannten zu dem neuen Wunder, den Schwänen, während die Männer zum Wüstenlagermit den Waffen rannten.
Die Frauen sahen das, drehten um und rannten wütend zu den Männern.
Da ließ jeder Mann sein Tier laufen. Quer über die Steppe rannten da Possums, Beuteldachse, Bukkandis und andere Tiere, kreischend dahinter die Frauen. Die Männer schnappten sich die Possumdecken, füllten sie mit Waffen und rannten zum Rauchsignal von Wurrunna.
Als die Frauen eines der Tiere gefangen hatten, erinnerten sie sich der Männer, die mit Waffen beladen das Lager verließen.
Kreischend vor Zorn rannten sie ihnen hinterher, aber zu spät. Die Männer verschwanden in der Dunkelheit wo sie sich das Böse der Ebene mit Wurrunna´s Rauch vom Körper wuschen.
Eine der Frauen kam heran und als sie den Rauch sah schrie sie wieder:"Wi-bulloo! Wi-bulloo!" Sie fürchtete das Feuer genau so wie die Dunkelheit, denn beides war in ihrem Land unbekannt.
Da sie scheiterten die Waffen an sich zu nehmen, wendeten sie sich nun den seltsamen weißen Vögeln zu, doch diese waren verschwunden.
Die Frauen fingen an zu streiten, so zornig waren sie. Ihre Worte verletzten sie. Ihr Blut begann schnell zu fließen und färbte den westlichen Himmel ein. Seit diesem Tag sagt der Volksstamm, sobald sie einen roten Sonnenuntergang sehen:"Seht das Blut der Wi-bulloos, sie streiten schon wieder."
Die Männer kehrten mit den Waffen wieder in ihr eigenes Land zurück und Wurrunna reiste allein zum heiligen Berg im nordosten des Landes Wi-bulloo.
Er vergaß darüber seine Brüder, die noch immer hinter ihm herflogen, auf sich aufmerksam machten, damit er sie wieder zurück verwandele in Männer.
Achtlos ging Wurrunna die in den Stein gehauenen Stufen den Berg hinauf. Baiame sollte auf die Erde kommen.
Die Schwäne, müde vom Fliegen, blieben in einer kleinen Lagune am Fusse des Berges zurück. Als die Adlerfalken, die Boten der Geister, geflogen kamen um eine Nachricht zu überbringen, sahen sie in der Lagune die zwei weißen Vögel.
In ihrer Wut stürzten sie herunter, schlugen ihre riesigen Krallen in die Schwäne und flogen vom heiligen Berg davon über die Ebene und über die Berkette in den Süden.
Ab und zu stoppten sie in wilder Rage um eine Hand voll Federn auszurupfen, so weiß wie die Asche vom Gidya-Holz. Diese Federn flogen herunter an die Seite des Berges und setzten sich fest. Blut tropfte herunter von ihnen.
Die Adlerfalken ereichten eine Lagune nahe eines großen Salzsees. An einem Ende war ein riesiger Felsen; auf diesen ließen sie die Schwäne nieder. Dann stürzten sie sich auf sie und rissen grausamer Weise auch noch die letzten Federn aus. Gerade als sie die letzten Federn aus den Flügeln rissen, bemerkten sie, dass sie die Nachricht noch nicht überbracht hatten. Aus Angst vor der Rache der Geister ließen sie die Schwäne zurück und flogen in ihr eigenes Land.
Die armen Baiamul-Brüder krochen zusammen, ohne Federn, blutend, frierend und armselig. Sie dachten, sie würden sterben, weit weg von ihrem Land.
Plötzlich vielen Federn auf sie herab und bedeckten ihre bebenden Körper. Wärme erhaltend, schauten sie nach oben. Hoch über den Bäumen sahen sie hunderte von Bergkrähen, genau die selben, die sie in ihrem Land sahen und glaubten an eine Warnung vor dem Bösen.
Die Krähen riefen ihnen zu:"Die Adlerfalken sind auch unsere Feinde. Wir sahen, dass sie Euch zum Sterben zurückließen. Wir sagten, dass es so nicht sein darf. Darum schickten wir mit dem Wind unsere Federn, damit sie Euch wärmen, so seid ihr wieder stark genug um zu euren Freunden zurückzukehren. Dann könnt ihr die Adlerfalken auslachen."
Die schwarzen Federn bedeckten die Schwäne komplett, nur an den Flügeln blieben einzelne weiße Federn zurück. Ebenso die Unterseite der schwarzen Federn blieben weiß Das rote Blut am Schnabel aber blieb für immer.
Die weißen Schwanenfedern, welche die Adlerfalken während des Fluges ausrissen, segelten zu Boden und dort wo sie landeten, sprossen weiße Blumen hervor. Diese nennt man Flannelblumen.
Die Baiamul-Schwäne flogen über das Lager in ihr Land. Wurrunna hörte sie schreien:"Biboh! Biboh!" und wusste, es waren die Stimmen seiner Brüder. Als er nach oben sah, waren da nicht zwei weiße, sonder zwei schwarze Schwäne mit blutroten Schnäbeln.
Die traurigen Schreie der beiden machten Wurrunna so müde, dass er keine Kraft mehr hatte um die beiden in Männer zurück zu verwandeln. Seine Kraft eines Wirinun wurde ihm genommen und so ging er in Baiame´s Himmelsreich, noch bevor seine Zeit gekommen war.
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übersetzt von Torsten Höpfner aus dem Buch: ´ Aboriginal Fables and Legendary Tales ´ von A.W.Reed
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