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Dreamtime-Index
Der erste Bullroarer
Als die beiden Byama Brüder auf die Jagd gingen, ließen sie ihre Söhne auf einem Plateau in der Nähe der roten Felsen zurück. Die Söhne hatten beide den selben Namen: Weerooimbrall. Sie dachten, die beiden Jungs wären an diesem geschützen Ort sicher, doch sie hatte nicht mit Thoorkook und seinen Hunden gerechnet. Vor langer Zeit hatten sie Thoorkook beleidigt und nun war für ihn die Zeit der Rache gekommen. Er hatte gesehen, wie die Byama Brüder die Felsen zum Camp hinaufkletterten, begleitet von ihren Söhnen. Und er sah, we sie nun ihre Söhne alleine ließen. Seine Hunde hetzten durch das Gebüsch und erklommen den Hang, und gleich darauf erreichte Thoorkook den Felsvorsprung. Er sah die beiden Hunde kämpfend über den Überresten der zerfleischten Körper.
Die ganze Nacht lang trauerten die Verwandten der Söhne und trübsal legte sich über das Camp. Bei Sonnenaufgang sann der Vater auf Rache, aber das konnte die trauer der Mütter nicht vertreiben. Still trauernd arbeiteten sie weiter und ihre Tränen rannen ihnen über die Wangen und fielen zischend in das Feuer. Als die Nacht hereinbrach, verfielen sie wieder in Trauer. Sie wanderten vom Lager fort. Die anderen Stammesmitglieder waren erschüttert und verteilten sich im Camp. Sie hielten sich die Ohren zu, um das Geschrei nicht zu hören. Nacht für NAcht gig es so weiter, bis die Frauen sich in Brachvögel verwandelten um so weiter zu machen bis ans Ende der Zeit.
"Wir haben unsere Söhne verloren," sagte der ältere Byama, "und nun sind unsere Frauen auch noch weg." "Wir sind keine Männer, wenn wir uns nicht an Thoorkook und seinen Hunden rächen."
"Das ist wahr," antwortete sein Bruder, "aber Thoorkook ist ein böser Mann und seine Hunde werden uns in Stücke reißen, wenn wir das Lager betreten."
"Viele Hunde, viel Angst, ein Hund, wenig Angst." Der jüngere Byama verstand:"Nur wie?" fragte er.
"Ich werde es Dir zeigen"
Er band ein aufgerolltes Fell an seinen Gürtel und tanzte den langsamen Rhythmus des Känguru. Er brüllte und murmelte Zaubersprüche und langsam schrumpften Seine Arme, seine Beine wurden dicker und kräftiger und aus der Fellrolle wurde ein Schwanz. Der Mann war gegangen und an seiner Stelle stand ein Känguru. Der jüngere Byama wunderte sich über seinen Bruder, machte es ihm aber gleich und schon hüpften zwei große Kängurus auf Thoorkooks Lager zu.
Die Hunde witterten sie und knurrten sie an. Die Kängurus sprangen davon mit den Hunden im Gefolge. Der eine Hund, größer und schneller, war dem anderen weit voraus. Als er ihnen nahe war, stoppten die Kängurus, drehten sich um und schlugen mit den Schwänzen den Kopf des Hundes zu Brei. In dem Moment erreichten die anderen Hunde den Ort und die Kängurus sprangen fort. So ging es noch einige Zeit weiter, bis kein Hund mehr am Leben war. Die beiden Brüder verwandelten sich wieder in Menschen und gingen ins Lager von Thoorkook. Dort angekommen, töteten sie den Mörder ihrer Söhne. Thoorkooks Geist machte sich auf und davon und verwandelte sich in einen einsamen Eulenschwalm (T.H.: ein eulenähnlicher Vogel).
Die Schande über die getöteten Söhne war von ihnen genommen, aber der Tod von Thoorkook brachte sie nicht wieder zurück. Auch kamen die Frauen nicht wieder und so blieben die beiden Brüder einsam.
Eines Tage benutzte einer der Brüder eine Axt, um eine Made aus einem Stamm zu holen. Dabei platzte ein großes Stück der Rinde ab und wirbelte durch die Luft. Es drehte sich so schnell dabei, dass es einen seltsamen Ton von sich gab. Der Ältere drehte sich um.
"Es ist die Stimme meines Sohnes," sagte er und verbarg seine Erregung.
"Das ist nichts zum Spielen," sagte er zu seinem Bruder. "Lass uns getrennte Wege ins Lager gehen und uns dort treffen."
Kaum war der Jüngere ausser Sichtweite, untersuchte er die Rinde. Er konnte sich nicht erklären, wie der Ton durch die Drehung zu stande kam. Er warf die Rinde viele Male in die Luft und immer fiel sie ohne Geräusch zu Boden. Da nahm er sein Messer und bohrte ein kleines Loch in ein Ende. Daran knotete er ein sehr dünnes Stück langer Rindenfaser und wirbelte so die Rindenscheibe über seinen Kopf. Nun hörte er die leise Stimme seines Sohnes. Nun ging er zurück zum Baum und schnitt ein größeres Stück Holz heraus und formte es wie die Rinde. Auch dieses Stück Holz erzeugte die Stimme seines Sohnes.
Sein jüngerer Bruder, der bereits im Lager angekommen war und die letzten Arbeiten erledigte, hörte nun auch die Stimme aus der Ferne und eilte zu seinem älteren Bruder.
"Ich hörte die Stimme meines Sohnes" sagte nun auch der Jüngere.
"Aber er ist nicht hier," sagte der Älter.
"Ich weiß, er ist tot. Doch wie kann das sein?"
Der Ältere schwang wieder das Stück Holz und die Stimme erklang. "Das ist nicht Dein Sohn, es ist auch nicht mein Sohn, es sind ihre Geister. Sie leben in diesem Stück Holz."
Und so entstand der erste Bullroarer (Schwirrholz). Es war eine spirituelle Zeremonie, die Geister der Söhne durch den Bullroarer zu rufen und wurde den Frauen nie gezeigt.
Als so die Jahre vergingen, gehörte es fortan zu den Initiirungsriten der jungen Männer. Ihnen wurde erzählt, dass immer dann die verstorbenen Weerooimbralls bei ihnen wären um alles mit ihnen zu teilen, sie zu schützen und in ihrer Moral zu stärken.
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übersetzt von Torsten Höpfner aus dem Buch: " Aboriginal Fables and Legendary Tales " von A.W.Reed
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